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Liberale Senioren Rheinland-Pfalz

LTW März 2011

Auszug Wahlprogramm LTW 2011 in RLP

In Rheinland-Pfalz leben derzeit fast eine Million Menschen, die 60 Jahre und älter sind; das ist ungefähr ein Viertel von gut vier Millionen Einwohnern. Diese beträchtliche Anzahl stellt eine Herausforderung für die Politik dar, indem sie mehr als bisher die Belange der älteren Menschen aufgreift und aktive Seniorenpolitik betreibt. Der Anteil der Älteren an der Bevölkerung wird weiter wachsen und damit ihr Einflusspotenzial sowohl in der Politik als auch am Markt.

Seniorenpolitik ist Politik für die Menschen im dritten Lebensalter, das heißt in der Phase nach der Berufs- und Kindererziehungszeit. Mit der fortschreitenden Änderung der Altersstruktur der Bevölkerung müssen erhebliche soziale Umwälzungen bewältigt werden. Wer heute dreißig oder vierzig Jahre alt ist, wird im Jahr 2030, in dem der Anteil der über 60jährigen nach heutigen Erkenntnissen ein Drittel betragen wird, zu dieser Gruppe gehören. Das dritte Lebensalter ist eine Lebensspanne von Menschen mit völlig unterschiedlicher Mentalität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dieser Lebensabschnitt ist voller neuer Möglichkeiten und Chancen.

Seniorenpolitik ist in erster Linie Gesellschaftspolitik, nur zum Teil gehört sie in den Bereich Sozialpolitik. Seniorenpolitik wird allzu oft gleichgesetzt mit der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung alter, kranker, hilfe- und pflegebedürftiger Menschen. Dies umschreibt einen wichtigen Teilbereich, greift aber insgesamt zu kurz. Es geht darüber hinaus darum, die Voraussetzungen zu schaffen und zu verbessern, um die Kompetenz und Erfahrung der Senioren in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen einzubringen. Die politische Teilhabe von Senioren ist eine wesentliche Bereicherung für die Weiterentwicklung einer liberalen Gesellschaft. Die unvermeidliche Neuordnung der sozialen Sicherungssysteme macht langfristig Konzeptionen erforderlich, welche die Belange aller Generationen wahren. Zu Recht erwartet die ältere Generation, dass dabei ihre großen finanziellen und ideellen Leistungen in der Vergangenheit innerhalb der Familie, für öffentliche und gesellschaftliche Aufgaben berücksichtigt werden. Ältere Menschen wollen und brauchen keine Sonderrechte, sondern Akzeptanz ihrer
Lebensleistung.

Wichtiges Ziel der Seniorenpolitik ist die Gestaltung von Rahmenbedingungen für ein würdevolles Alter derart, dass Seniorinnen und Senioren nach den persönlichen Möglichkeiten und Vorstellungen eigenverantwortlich und selbstbestimmt ihr Leben gestalten können und ohne Angst vor Einschränkungen in der Gesundheitsversorgung leben. Schwerpunkte der Seniorenpolitik müssen Generationengerechtigkeit und Vermeidung von Altersdiskriminierung sein.

Liberale Seniorenpolitik orientiert sich deshalb an mehreren
Ansatzpunkten. Sie will

die Würde und die Interessen der älteren Menschen wahren,

die Eigenverantwortung der älteren Generation stärken und fördern,

den Austausch und die Zusammenarbeit mit den anderen Altersgruppen in der Bevölkerung mit dem gemeinsamen Ziel, die Gesellschaft als Ganzes voranzubringen,

die Einbindung der Senioren in die Gesellschaft bewahren, in der demografisch veränderten Situation neue Wege dazu suchen und entsprechende Initiativen unterstützen,

den Älteren Möglichkeiten aufzeigen, wie sie sich im Rahmen ihrer gesamt-gesellschaftlichen Verantwortung ehrenamtlich einsetzen können,

Impulse geben für diejenigen, die durch den Ruhestand „freie Kapazitäten“ gewonnen haben und ihr Leben aktiv gestalten wollen,

Hilfe leisten für diejenigen, die ihr Leben nicht mehr oder nur eingeschränkt aus eigener Kraft bewältigen können,

den Älteren vor Augen führen, dass sie sich nicht aus der Mitverantwortung für die Gesellschaft verabschieden dürfen.

Deshalb fordern die Liberalen in Rheinland-Pfalz,

alle Regelungen, Vorschriften und Gesetze abzuschaffen, die ältere Menschen diskriminieren (das gilt insbesondere für Altersgrenzen),

die Anerkennung der Leistungen älterer Menschen,

eine faire Lastenverteilung zwischen den Generationen,

den Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand durch mehr Teilzeit-Beschäftigungsmodelle noch flexibler zu machen,

die Hinzuverdienstgrenzen für Rentner der gesetzlichen Sozialversicherung anzuheben, mindestens aber den Regelungen der Ruhestandsbeamten anzupassen,

für die aktiven Älteren konkret insbesondere neue Felder zu erschließen, in denen sie auf freiwilliger Basis ihre Kraft, ihre Kompetenz und ihre Lebenserfahrung im Interesse der Gesellschaft sinnvoll einsetzen können,

Gruppen, die sich mit der Erschließung neuer Betätigungsfelder befassen oder die sich dem Selbsthilfegedanken verschrieben haben, zu unterstützen,

Altenwohnheime, Alten- und Pflegeheime vor allem aber Seniorenwohnungen und -häuser weitgehend in die übliche Wohnbebauung zu integrieren,

für die Älteren, die auf aktive Hilfe angewiesen sind, konkret die Möglichkeiten moderner sozialer Infrastruktur bereit zu stellen, die im Sinne eines liberalen Menschenbildes möglichst lange ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben erlauben,

dass die Ausschöpfung von Rehabilitationsmöglichkeiten nach einer Erkrankung selbstverständlich wird,

durch ein Geriatriekonzept (Geriatrie: Altersheilkunde) Strukturen zur optimalen geriatrischen Versorgung („Reha vor Pflege“) zu schaffen und zügig auszubauen,

geriatrische und gerontologische (Gerontologie: Lehre von den Alternsvorgängen) Forschung voranzutreiben sowie geriatrische Kenntnisse stärker als bisher in die ärztliche Standardausbildung einzubeziehen,

einen hohen Standard der Ausbildung in der Altenpflege und eine Bezahlung, die sich an den hohen Anforderungen dieses Berufsstandes orientiert,

Unterstützung und Anerkennung der sozialen Netze freiwilliger Helfer, die sich darum kümmern, dass Menschen mit eingeschränktem Aktionsradius nicht aus dem sozialen Umfeld ausgeschlossen werden,

Seniorenbüros in ihrer Arbeit zu unterstützen.


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